Heute besuchen wir die historische Altstadt von Rauma, einer der schönsten und ältesten Städte Finnlands. Unser Tag beginnt allerdings mit einer kleinen Panne. Die Bimmelbahn, die uns vom Campingplatz nach Rauma bringen soll, kommt aufgrund eines technischen Defekts mit Verspätung. Glücklicherweise kann unsere Stadtführung kurzfristig verschoben werden, sodass unser Tagesprogramm ohne größere Einschränkungen stattfinden kann.
Bei der rund 90-minütigen Stadtführung entdecken wir Old Rauma, die größte zusammenhängende erhaltene Holzstadt der nordischen Länder und UNESCO-Weltkulturerbe. Mehr als 600 farbenfrohe Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert prägen das Stadtbild. Nachdem ein Großbrand im Jahr 1682 weite Teile der Stadt zerstörte, wurde Rauma nahezu vollständig aus Holz wieder aufgebaut. Bis heute wird die Altstadt nicht nur erhalten, sondern auch bewohnt – mit kleinen Geschäften, Cafés, Werkstätten und Wohnhäusern. Während unseres Rundgangs erfahren wir viel über die bewegte Geschichte der ehemaligen Handels- und Seefahrerstadt. Über Jahrhunderte bestimmten Schiffbau, Handel und die Ostsee das Leben der Menschen. Auch die berühmte Spitzenklöppelei, für die Rauma weit über Finnland hinaus bekannt ist, wird hier bis heute gepflegt.
Ein interessantes Detail begegnet uns an vielen Häusern der Altstadt: Porzellanhunde, die in den Fenstern sitzen und scheinbar aufmerksam auf die Straße blicken. Früher hatten sie eine besondere Bedeutung. Standen die Hunde mit dem Gesicht zur Straße, war der Hausherr zu Hause und Besucher konnten eintreten. Blickten sie hingegen nach innen, war niemand da oder es wurde kein Besuch gewünscht. Ob diese Geschichte überall tatsächlich so gehandhabt wurde oder inzwischen eher zur liebenswerten Legende geworden ist, sei dahingestellt – den besonderen Charme von Old Rauma unterstreichen die kleinen Porzellanhunde aber bis heute.
Nach der Führung überrascht uns der Betreiber der Bimmelbahn mit einer kleinen Aufmerksamkeit. Als Entschuldigung für die Verspätung spendiert er der gesamten Gruppe ein Eis. Über diese unerwartete Geste freuen wir uns natürlich sehr – eine schöne und leckere Wiedergutmachung.
Anschließend bleibt genügend Zeit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Viele schlendern noch einmal durch die verwinkelten Gassen, stöbern in den kleinen Boutiquen, genießen einen Kaffee oder lassen die besondere Atmosphäre der historischen Altstadt auf sich wirken. Zurück zum Campingplatz geht es ganz entspannt wieder mit der Bimmelbahn.
Am Abend treffen wir uns um 18:00 Uhr zur Routenbesprechung für den nächsten Fahrtag. Gemeinsam werfen wir einen Blick auf die bevorstehende Etappe und lassen anschließend den Tag gemütlich ausklingen. Ein wunderschöner Tag in einer der besterhaltenen Holzstädte Europas – voller Geschichte, Charme und mit einer süßen Überraschung zum Abschluss.



























