Ostseeumrundung – Tag 16: Kemi mit Insel Laitakari

Heute bleibt unser Wohnmobil stehen, denn wir erkunden die Hafenstadt Kemi bequem mit dem Bus. Die Stadt am Bottnischen Meerbusen wurde bereits 1869 gegründet und entwickelte sich dank ihrer günstigen Lage schnell zu einem bedeutenden Handels- und Industriezentrum Nordfinnlands. Vor allem der Holzexport, die Papierindustrie und die Schifffahrt prägten die Entwicklung der Stadt über viele Jahrzehnte.


Zunächst besuchen wir das Historische Museum von Kemi. Dort erfahren wir viel über die Entwicklung der Region, den harten Alltag der Menschen im hohen Norden sowie die Bedeutung der Forstwirtschaft und der Schifffahrt für Lappland. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie eng das Leben der Menschen seit Jahrhunderten mit den Wäldern und dem Meer verbunden ist.


Eigentlich wäre heute auch ein Besuch auf dem berühmten Eisbrecher Sampo vorgesehen gewesen. Das 1961 gebaute Schiff hielt viele Jahre die Schifffahrtswege im Bottnischen Meerbusen eisfrei und wurde später zu einem der bekanntesten Ausflugsschiffe Finnlands. Zurzeit befindet sich die Sampo jedoch in einem Trockendock in Südfinnland und kann daher leider nicht besichtigt werden.


Als attraktive Alternative besuchen wir die Insel Laitakari. Wir spazieren wir durch den Innenhafen, bevor wir mit dem Boot zur kleinen Insel Laitakari übersetzen. Heute wirkt die Insel ruhig und naturbelassen, doch im 19. und frühen 20. Jahrhundert war sie das industrielle Herz der Region. Bereits 1862, also noch bevor die Stadt Kemi gegründet wurde, entstand hier das erste Sägewerk der Gegend. Über Jahrzehnte wurden die gewaltigen Baumstämme des Kemijoki-Flusses nach Laitakari geflößt, hier verarbeitet und anschließend in alle Welt verschifft. Die Holzindustrie legte den Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung Kemis und trug sogar zur Gründung der Stadt im Jahr 1869 bei. Auf dem Höhepunkt lebten und arbeiteten mehr als 300 Menschen auf der Insel. Es gab Wohnhäuser, einen Kaufladen, eine Schule und ein reges Inselleben. Nach der Schließung des Sägewerks im Jahr 1939 wurde Laitakari noch einige Zeit als Holzlager genutzt, bevor die letzten Bewohner die Insel 1966 verließen.


Da der Untergrund stellenweise sehr sumpfig war, wurde ein Teil der Insel auf einem Fundament aus Holzstämmen und Holzpfählen errichtet, um Gebäude und Wege überhaupt bauen zu können.


Heute erinnern Fundamente, Mauerreste und der Schornstein des ehemaligen Kraftwerks an diese bewegte Vergangenheit, während die Natur die Insel Stück für Stück zurückerobert.


Gemeinsam genießen wir die Ruhe der Insel, bevor wir den Grill anheizen und uns traditionelle finnische Grillwürstchen schmecken lassen.


Nach der Rückfahrt nach Kemi besuchen wir das SnowExperience365. Wo früher die berühmte Schneeburg jedes Jahr neu aufgebaut wurde, kann heute das ganze Jahr über eine faszinierende Eis- und Schneewelt erlebt werden. Bei konstanten Minusgraden bestaunen wir kunstvoll gestaltete Eisskulpturen, gefrorene Räume und aufwendig beleuchtete Kunstwerke aus Eis – ein außergewöhnliches Erlebnis mitten im finnischen Sommer.


Am Nachmittag fahren wir zurück zum Campingplatz. Um 18:00 Uhr treffen wir uns zur Routenbesprechung für den nächsten Fahrtag und werfen gemeinsam einen Blick auf die bevorstehende Etappe unserer Reise.