Der Tag startet mit einem Orgelkonzert in der Kathedrale Oliwska, in Oliwa, einer Art Nobelvorstadt von Danzig. Die Kirche ist berühmt für ihre fantastische Orgel. Zu bestimmten Zeiten geben drei Organisten ein 20-minütiges Konzert. Andreas machte mit uns die zweite Kirchenführung und wir warteten gespannt auf das Konzert. Mit fast 8000 Pfeifen gehört sie zu den größten Orgeln Polens und beeindruckt mit ihrer Klangfülle, besonders in tiefen Tönen. Zum Abschluss des kurzen Konzertes erklang die Toccata von J.S. Bach, von der Hauptorgel und mit einigen Passagen dazwischen von der kleinen Orgel. Gänsehautfeeling (zumindest beim Verfasser des Berichtes).
Dann ging es weiter in die große Hafenstadt Danzig. Habt Ihr das erwartet? Wer hat geahnt, dass Danzig eine so schöne und spannende Stadt ist? Ich, ganz ehrlich gesagt, nicht. Ich bin nun bei meinem dritten Besuch immer noch von der Stadt begeistert. Und unser Stadtführer Andreas hat daran Anteil. Nicht ganz so charmant wie Mariellchen in den Masurchen, nicht ganz so gesprächig wie Aleksandra in Toruń und nicht ganz so entspannt wie Kasia in Posen, hat er es geschafft, uns Danzig näherzubringen. Seine Ausführungen waren spannend und sehr interessant. Danzig, heute unter dem polnischen Namen Gdańsk bekannt, ist eine bedeutende Hafenstadt an der Ostsee im Norden Polens. Sie liegt an der Mündung der Weichsel und bildet zusammen mit Gdynia und Bad Sopot die sogenannte Dreistadt (Trójmiasto), ein wichtiges wirtschaftliches, kulturelles und touristisches Zentrum. Die Stadt hat eine wechselvolle Geschichte: Über Jahrhunderte war sie Teil des polnischen Königreichs, der Hanse, Preußens und später des Deutschen Reichs. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt sie den Status der „Freien Stadt Danzig“ unter dem Schutz des Völkerbundes, was ihre politische Lage besonders machte. Er zeigte uns die Werft, bzw. was heute noch davon übrig ist. Es hat den Anschein, er kennt fast jedes Unternehmen, welches heute dort z.B. Windräder produziert. Er zeigt uns die Orte der Geschichte der Solidarność-Bewegung von Lech Wałęsa, die maßgeblich zum Ende des Kommunismus in Osteuropa beigetragen hat, berichtet über Günter Grass und die Blechtrommel (er ist in Danzig geboren und beide sind Nobelpreisträger). Nach Kriegsende fiel Danzig endgültig an Polen, die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben und die Stadt wurde weitgehend neu besiedelt. Heute ist Gdańsk bekannt für seine wunderschön restaurierte Altstadt mit dem Langen Markt, dem berühmten Artushof, der Marienkirche und dem Krantor. Wirtschaftlich spielt der Hafen eine große Rolle. Gdańsk gilt heute als weltoffene, lebendige Stadt, die Tradition und Moderne verbindet.
In der Marienkirche sind wir um 12 Uhr dabei, wenn die astronomische Uhr ihr tägliches Schauspiel darbietet. Sie wurde im 15. Jahrhundert vom Uhrmacher Hans Düringer aus Nürnberg geschaffen und gilt als eine der größten mittelalterlichen Uhren der Welt – etwa 14 Meter hoch. Die Uhr zeigt nicht nur die Uhrzeit, sondern auch den Kalender, die Mondphasen, die Sternzeichen und religiöse Szenen. In ihrem Figurenumlauf erscheinen täglich Heiligenfiguren, Apostel und sogar der Tod als mahnendes Symbol. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Uhr stark beschädigt, aber später restauriert, sodass sie heute wieder zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Danzigs gehört. Hunderte Besucher strömen um kurz vor zwölf in die Kirche, um diese dann nach dem Schauspiel sofort wieder zu verlassen. Wir gehen anschließend durch die Straßen bis zum berühmten Krantor. Unser Stadtguide erläuterte uns den Hebevorgang. Es ist ein ikonisches Wahrzeichen der Stadt und ein herausragendes Beispiel mittelalterlicher Ingenieurskunst. Das Tor wurde zwischen 1442 und 1444 erbaut und war zu dieser Zeit der größte Hafenkran Europas. Zwischen zwei massiven Backsteintürmen war eine hölzerne Kransäule, die von Menschen betrieben wurde, die in großen Holzrädern liefen. Maximal konnten rund 2 t pro Hebevorgang gehoben werden.
Ein spannender Tag bei bestem Wetter ging zu Ende. Viele relaxen vor ihren Wohnmobilen und einige machen sich nochmals auf den Weg zum Strand. Morgen geht es zu unserem letzten Campingplatz, nach Leba an der Ostseeküste. Dort erwarten uns noch zwei spannende Tage. Gleich morgen mit der Halbinsel Hel, der obligatorischen Campertafel und übermorgen mit Polens Sahara.



















