Wenn gestern die Hochebene der Hardangervidda beeindruckend war, so ist es heute fantastisch. Und wir haben Glück. Der Regen hält sich zurück und wird uns erst in Bergen treffen. Wie auch schon gestern berichtet ist die Hardangervidda etwas Besonderes. Die nachfolgenden Fotos sprechen für sich.
Aber heute hatte sie noch mehr zu bieten. Eisenharte Sportler, die bei rund 15 Grad C 3,8 km durch den Hardangerfjord schwimmen, sich dann für 180 km aufs Triathlonrad setzen und dann zu Schluss einen Marathon mit 42,2 km absolvieren. Uns begegneten die Teilnehmer auf der Fahrradstrecke. Der Norseman Xtreme Triathlon gilt als einer der härtesten Triathlons der Welt. Er findet jedes Jahr in Norwegen statt und führt von Eidfjord am Hardangerfjord bis auf den Gipfel des Gaustatoppen. Die Strecke entspricht einer Ironman-Distanz, ist aber durch Kälte, Wetter und Höhenmeter deutlich anspruchsvoller. Schwimmen – Start um 5 Uhr morgens mit einem Sprung von einer Autofähre in den Hardangerfjord. Das Wasser ist meist nur 12–15 °C kalt. Radfahren – über die Hardangervidda mit mehr als 3000 Höhenmetern. Marathon – zunächst relativ flach, anschließend der steile Anstieg auf den Gaustatoppen (1.883 m). Insgesamt kommen über 5000 Höhenmeter zusammen. Es starten nur etwa 250 Athleten, die meisten Plätze werden per Los vergeben. Jeder Teilnehmer muss ein eigenes Betreuerteam mit Fahrzeug mitbringen. Es gibt kein Preisgeld und keine Medaillen. Die ersten 160 Athleten, die den Kontrollpunkt am Berg rechtzeitig erreichen, dürfen bis zum Gipfel laufen und erhalten das berühmte schwarze Finisher-T-Shirt. Alle anderen absolvieren eine alternative Marathon-Zielschleife und erhalten ein weißes Finisher-T-Shirt. Sorry, dass wir so ausführlich darüber berichten, aber als ehemalige Marathonis finden wir diese sportlichen Höchstleistungen einfach toll. Der Sieger Kristian Grüsen absolvierte die Strecke in 9 Stunden und 53 Minuten. Die Siegerin bei den Frauen ist Nikola Corbova in 12:04:54. Chapeau! Wir gratulieren.
Was gab es noch auf unserer heutigen Strecke? Zunächst den Vöringfossen. Eine der meistbesuchten Naturattraktionen Norwegens. Gesamthöhe: 182 m, freier Fall: 145 m. Besonders sehenswert ist die 2020 eröffnete Treppenbrücke: 99 Stufen führen über den tosenden Wasserfall. Die Brücke spannt sich 47 m über die Schlucht und verbindet mehrere Aussichtsplattformen. Wie so vieles in Norwegen ist der Besuch kostenlos.
Die Brücke über den Hardangerfjord wurde von Statens Vegvesen gebaut, die Kabelsattellager und die Befestigungen der Hänger stammen von Goodwin Steel Castings (England), der Fahrbahnträger von ZMPC in Shanghai und die Tragkabel von Bridon (England). Die Kosten betrugen 2,3 Milliarden norwegische Kronen, also rund 230 Millionen Euro. Auf beiden Seiten der Auffahrt gibt es einen Tunnel mit einem unterirdischen Kreisverkehr. Es ist die längste Hängebrücke Norwegens. Die Gesamtlänge ist 1380 m und die Hauptspannweite 1310 m. Die beiden Pylone sind rund 200 m hoch, und die Durchfahrtshöhe für Schiffe ist 55 m. Ein gigantisches Bauwerk. Die Hauptspannweite war notwendig, weil der Fjord hier 500 m tief ist und man keine Pylonen im Fjordboden befestigen konnte.
Weiter ging’s entlang des Hardangerfjords nach Bergen. Vorbei an Lachszuchtanlagen, wunderschönen kleinen Orten und mal mehr oder weniger breiten Straßen bis nach Bergen. Wilhelm hat nachgeforscht und insgesamt haben wir rund 40 Tunnel durchquert.
Morgen steht Bergen auf dem Programm. Um 8.00 Uhr holt uns der Bus ab und wir schauen uns die große Stadt an.
































