Norwegen-Schweden – Tag 4: Stadtrundfahrt Oslo

Oslo: Was soll man dazu sagen? Kann man diese Stadt an einem Tag entdecken? Natürlich nicht. Aber man kann einen ersten Eindruck von dieser fantastischen nordeuropäischen Metropole bekommen. Wir haben versucht, die Highlights zu besuchen. Als Hauptstadt Norwegens und mit rund 730.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes. Im Ballungsraum leben über 1,5 Millionen Menschen. Das erste Highlight heute Morgen war die traditionsreichste Sprungschanze, der 371 m hohe Holmenkollen. Eingerahmt von attraktiven Wohnhäusern liegt er in einer der besten Wohngegenden Oslos. Die Arena bietet Platz für sage und schreibe 50.000 Besucher. Der erste Wettbewerb fand im Jahr 1892 statt. 2010 wurde alles komplett neu gebaut. Der Schanzenrekord liegt bei 144 m. Rund 5,5 Sekunden ist die Flugzeit eines Springers bei dieser Weite. 1952 war der Hollmenkollen Austragungsort der Olympischen Spiele.


Weiter ging es in den Vigeland Park. Er ist der größte von einem einzigen Künstler geschaffene Skulpturenpark der Welt und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Norwegens. Er befindet sich innerhalb des größeren Frognerparks. Der Eintritt ist kostenlos und das ganze Jahr über rund um die Uhr geöffnet. Der Künstler Gustav Vigeland (1869–1943), hat den Park und alle Werke entworfen. Hauptsächlich erbaut zwischen 1939 und 1949. 212 Skulpturen aus Bronze, Granit und geschmiedetem Eisen. Insgesamt über 750 Einzelfiguren, die den Lebenszyklus des Menschen (Geburt, Jugend, Alter, Tod) zeigen. Der Park ist streng symmetrisch auf einer 850 Meter langen Achse aufgebaut: ein monumentales Eingangstor aus Granit und geschmiedetem Eisen. Eine 100 Meter lange Brücke, gesäumt von 58 Bronzestatuen, darunter das berühmteste Werk des Parks, der „Kleine Trotzige“ (ein wütender kleiner Junge). Eine riesige Bronzeschale dient als Brunnen, getragen von sechs Riesen, umgeben von 20 Baumgruppen-Reliefs, die das menschliche Leben darstellen. Der höchste Punkt des Parks ist ein Monolith. Eine 17 Meter hohe Säule, die aus einem einzigen Granitblock gehauen wurde. Sie zeigt 121 ineinander verschlungene menschliche Figuren. Das Rad des Lebens, eine Bronzeskulptur, steht am Ende der Achse, die eine Girlande aus vier Erwachsenen und einem Kind formt und die Unendlichkeit symbolisiert. Ein faszinierender Spaziergang durch Statuen, Rosen und Rabatten.


Und dann ging’s zur Oper! Auf den ersten Blick kühl, sachlich, geradeaus. Geradeaus? Klare, gerade Linien, aber nichts scheint gerade bzw. in Waage zu sein. Das Opernhaus Oslo ist das größte Kulturprojekt Norwegens seit Jahrhunderten und berühmt für seine einzigartige, asymmetrische Architektur. Dass an dem Gebäude fast alles schief, geneigt und asymmetrisch ist, hat tiefgründige architektonische, gesellschaftliche und visuelle Gründe. Warum alles „schief“ ist: Es ist das architektonische Konzept. Das norwegische Architekturbüro Snøhetta entwarf das Gebäude nach drei zentralen Leitideen, die die schrägen Formen erklären. Der „Teppich“: Die Architekten wollten die Grenze zwischen dem Fjordwasser, dem Boden und dem Dach komplett auflösen. Die schiefe Ebene zieht sich wie ein ausgerollter Teppich direkt aus dem Wasser der Bjørvika-Bucht nach oben. Aus Wänden werden Böden und aus Böden werden Dächer. Demokratisierung der Kultur: Traditionelle Opernhäuser galten über Jahrhunderte als elitär, geschlossen und unzugänglich. Die Schräge bricht diese Barriere im wahrsten Sinne des Wortes auf: Jeder Mensch kann – ganz ohne Ticket – direkt von der Straße aus auf das Dach spazieren. Das Begehen des Daches ist das ganze Jahr über kostenlos und rund um die Uhr möglich. Im Winter werden die Flächen beheizt. Es ist ein politisches Statement für ein demokratisches, öffentliches Gebäude, das der Allgemeinheit gehört. Der Eisberg-Effekt: Durch die schrägen, weißen Flächen aus italienischem Carrara-Marmor und Granit wirkt die Oper wie ein gigantischer Eisberg, der gerade aus dem Fjord emporragt. Die schiefen Ebenen ahmen die raue, norwegische Natur und ihre Gletscherlandschaften nach. Wichtige Eckdaten zur Oper. Eröffnung: 12. April 2008. Größe: Rund 38 500 m² Gesamtfläche mit über 1.100 Innenräumen. Materialien: außen weißer Carrara-Marmor und Granit; innen dominiert warme, dunkle Eiche im Kontrast zu riesigen, minimalistischen Glasfronten. Kapazität: drei Bühnen. Der Hauptsaal (geschwungen wie ein Hufeisen für optimale Akustik) fasst rund 1.350 Besucherplätze. Besonderheit auf dem Wasser: Direkt vor der Oper schwimmt die skulpturale Glas-Stahl-Konstruktion „She Lies“ im Fjord und dreht sich mit dem Wind.



Rund um die Oper wurde und wird gebaut. Moderne Wohnungen in zeitgenössischer skandinavischer Architektur, nordischer Minimalismus mit Fassaden aus Naturstein, Schiefer oder Faserzementplatten in Grau- und Erdtönen, großen Fensterflächen für viel Tageslicht, mit vielen Balkonen und Terrassen. Klare, kubische Baukörper mit versetzten Volumen, flach geneigte oder begrünte Dächer. Wenig dekorative Elemente – die Materialien und Proportionen wirken für sich und es wird ein hoher Fokus auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz gelegt.


Auch sehenswert war das Edvard-Munch-Museum. Ein moderner Bau mit vielen Stockwerken. 3 der 4 Originale von dem Bild Der Schrei sind in diesem Museum. Sie sind unverkäuflich und der Wert wird „theoretisch“ mit rund 300–400 Millionen Euro angegeben. Eine große Abteilung mit allerlei Andenken an Edvard Munch befindet sich im Untergeschoss.


Zum Abschluss unserer Oslo-Tour zeigt uns unser freundlicher Busfahrer mit einer kleinen Rundfahrt noch das Wohnhaus von Hakon und Mette-Marit (Königspaar) und die Museumsvielfalt von Oslo.


Das Briefing für morgen beschloss den ereignisreichen Tag und musste aufgrund eines Gewitters zunächst verlegt und dann per Telefon/Whatsapp abgehalten werden. Morgen geht es in eine der größten Hochebenen Europas auf 1100 m.