Wieder eine angenehm frische Nacht auf unserer Reise. Geweckt werden wir mit strahlendem Sonnenschein und die Temperaturen werden erträglich sommerlich, während in der Heimat eine Hitzewelle den Daheimgebliebenen zu schaffen macht. Unsere heutigen Reiseführerinnen, Frau Wieslawa und Frau Tomtra, begrüßten uns pünktlich um 10:00 Uhr im Eingangsbereich der Marienburg und begannen gleich mit den Erläuterungen zur Geschichte der Burg. Die Marienburg, gelegen am Fluss Nogat in der heutigen Stadt Malbork, ist die größte mittelalterliche Backsteinburg der Welt und eines der bedeutendsten Denkmäler der Ordenszeit. Sie wurde ab 1274 vom Deutschen Orden als strategische Festung und späterer Hauptsitz errichtet, nachdem der Orden seine Machtbasis vom Heiligen Land in den Ostseeraum verlegt hatte. Wie wir zwischendurch im Internet nachgeforscht haben, sind rund 30–40 Millionen Backsteine verbaut worden. Ursprünglich diente die Burg als Sitz des Komturs von Marienburg, doch schon 1309 verlegte der Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen die gesamte Ordenszentrale von Venedig hierher. Damit wurde die Marienburg zum politischen, administrativen und religiösen Zentrum des Ordensstaates, dessen Herrschaftsgebiet große Teile des heutigen Polen, Litauens und des Baltikums umfasste. Ob sie ursprünglich im 12. Jahrhundert genauso aussah, wie wir sie heute erleben, ist nicht belegt. Im Laufe der fast tausend Jahre ihres Bestehens wurde sie immer wieder neu gestaltet. Die Bauweise der Burg ist einzigartig: Sie wurde in drei Komplexe gegliedert – Hochschloss, Mittelschloss und Vorschloss – und diente nicht nur als Residenz, sondern auch als Kloster, Verwaltungszentrum und militärische Bastion. Das Hochschloss war zugleich eine Ordensburg und eine Art Klosteranlage, mit der Marienkirche im Zentrum. Im Mittelschloss befanden sich Repräsentationsräume, die mit zu den größten gotischen Profansälen Europas gehören. Die monumentale Architektur, die reiche Ausstattung und die militärische Stärke machten die Marienburg zu einem sichtbaren Symbol der Macht und des Selbstbewusstseins des Deutschen Ordens. Aufgrund ihrer Größe wurde sie nie angegriffen.
Nach der Niederlage des Ordens in der Schlacht bei Tannenberg 1410 und dem darauffolgenden Ersten Thorner Frieden 1411 begann der langsame Niedergang der Ordensmacht. 1457 wurde die Burg im Dreizehnjährigen Krieg an den polnischen König Kasimir IV. übergeben und diente danach als königliche Residenz und Verwaltungszentrum. In den folgenden Jahrhunderten verlor die Anlage an Bedeutung und verfiel teilweise, wurde jedoch im 19. Jahrhundert durch preußische Restauratoren wiederentdeckt und auch im Innenbereich, soweit es möglich war, hergestellt.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Marienburg schwere Zerstörungen. Sie wurde von den Nationalsozialisten als Symbol deutscher Geschichte und des deutschen Ordens betrachtet. Ab 1933 wurde die Burg für Propagandaveranstaltungen genutzt. Die Architektur der Marienburg diente sogar als Vorbild für die sogenannten Ordensburgen des Dritten Reiches. Nach Kriegsende begann ein langwieriger Wiederaufbau, der die Burg in großen Teilen rekonstruierte. Unsere Burgführerinnen ließen keine der vielen Fragen unbeantwortet. Seit 1997 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist heute ein bedeutendes Museum, das die Geschichte des Deutschen Ordens und der Region anschaulich vermittelt.
Nach der Führung machten wir uns auf den Weg in den Badeort Sopot, nördlich von Danzig, wo sich unser heutiger Campingplatz befindet. Rund eineinhalb Stunden war die Fahrzeit zu dem Ort an der Ostsee. Das Briefing für den Ausflug nach Danzig hatten wir am Vortrag mit erledigt, und so konnten alle den restlichen Tag verplanen, ohne auf eine Fahrerbesprechung Rücksicht nehmen zu müssen. Einige machten einen Strandspaziergang und andere saßen lange vor ihren Wohnmobilen und tauschten sich aus.


























