Der sogenannte Ruhetag wurde von uns kurzerhand umgestaltet auf einen geführten Ausflug mit Fahrservice (8‑Sitzer-Van mit lokalem Fahrer Paolo – top!) und Elektrofahrzeug. Der zusätzliche Service kostete zwar einige Euro pro Teilnehmer, war jedoch letztendlich jeden Euro wert. Wir konnten dadurch sehr viele Highlights besuchen, hatten nie ein Parkplatzproblem und wurden von Paolo sehr entspannt, komfortabel und sicher zu den Orten gefahren, die für uns von Interesse waren. Es war ein rundum gelungener Tag mit vielen sehr schönen Erlebnissen und unterschiedlichsten Eindrücken, die uns positiv in Erinnerung bleiben. Begonnen haben wir die Tour mit dem Besuch des Sacro Monte di Ghiffa, welcher bei Ghiffa am Lago Maggiore liegt. Er gehört zu den sogenannten Sacri Monti, einer Gruppe religiöser Wallfahrtsstätten, die im Mittelalter und der Frühen Neuzeit entstanden sind. Die Anlage besteht aus einer Reihe von Kapellen, Kapellenhäusern und einer zentralen Wallfahrtskirche mit Szenen aus der Bibel und Heiligenlegenden. Die Kunstwerke zeichnen sich durch typische barocke bis neobarocke Einflüsse aus. Ursprünglich als Ort der Pilgerreise und Meditation konzipiert, dient der Sacro Monte di Ghiffa heute sowohl religiösen Zwecken als auch kulturellem Erleben und tourismusbezogener Bildung. Er zieht Besucher an, die die religiöse Kunst, die Aussicht auf den Lago Maggiore und die ruhige, spirituelle Atmosphäre genießen. Wir haben nicht nur die wunderbare Aussicht genossen, sondern auch die Ruhe. Gerne hat man die Gelegenheit genutzt, um etwas in sich zu gehen oder auch sich an Menschen zu erinnern und eine Kerze anzuzünden.
Weiter ging es an der schönen Küste des Lago Maggiore entlang bis zu einem kleinen, unscheinbaren Parkplatz. Von da an ging es zu Fuß weiter und es wurde durchaus etwas anstrengend – zumindest für fast alle (die Alternative war ein Kaffee mit Seeblick, nicht schlecht – aber die Anstrengung des Aufstiegs zu den alten Steinhäusern von Carmine Superiore war allemal lohnenswert). Carmine Superiore, ein Ortsteil der Gemeinde Cannobio, ist ein sehr gut erhaltenes Dorf mittelalterlichen Ursprungs. Er besteht aus einer kleinen Anzahl von Steinhäusern, die rund um die Kirche San Gottardo (14. Jh.) gebaut wurden, und liegt auf einem Felsvorsprung mit Blick auf das Westufer des Lago Maggiore. Der Blick bietet eine wunderbare Aussicht auf den See und die dahinter aufragenden Berge der Lombardei. Die landschaftliche Umgebung, in die das kleine Dorf eingebettet ist, nimmt sich besonders reizvoll aus. Am Rande der Ortschaft sind Terrassen aus Trockenmauern zu sehen als übrig gebliebene Zeugnisse der alten Weinberge, welche die letzte Bastion auf dem abschüssigen Gelände vor dem vorherrschenden Kastanienwald waren. Carmine Superiore wurde rund um das Jahr 1000 gegründet, um den Zugang zu Cannobio zu verteidigen und die Einwohner der unten liegenden Ortschaften bei Gefahr zu beherbergen. Im Laufe der Jahre wurde es größtenteils verlassen, aber inzwischen scheint es sukzessive wieder bewohnt zu werden. Wir konnten nicht nur den spektakulären Blick genießen und durch die engen Gassen und über Stufen den pittoresken Ort erkunden, sondern auch Handwerker beobachten, die eines der Häuser umfassend, unter strenger Einhaltung der alten Fassade und Charakteristik, renovierten.
Weiter ging es dann nach Cannobio. Cannobio ist ein malerisches, historisches Städtchen am Westufer des Lago Maggiore und liegt unmittelbar südlich der Schweizer Grenze. Der Ort gilt mit seiner bunt gesäumten Promenade (eine der schönsten Flaniermeilen am See mit Cafés, Restaurants und farbenfrohen Fassaden aus dem 18. und 19. Jahrhundert) als einer der charmantesten Urlaubsorte der gesamten Region. Sehenswert ist zudem der historische Ortskern mit einem Labyrinth aus engen Pflastergassen, historischen Treppen und schmalen Durchgängen. Zu den Baudenkmälern zählen der Palazzo Parasi aus dem 13. Jahrhundert und die Kirche San Vittore. Unbedingt anschauen sollte man die Wallfahrtskirche Santuario della Santissima Pietà, direkt an der Promenade gelegen. Der Großteil von unserer Gruppe hatte sich jedoch dazu entschlossen, erst einmal das Dolce Vita an der Promenade mit Sonne, Wein und einem kleinen Snack zu genießen. Anschließend musste man sich sputen, um auch den wunderbaren Rest von Cannobio noch zu erkunden und sich vor der Weiterfahrt noch ein Gelato zu gönnen.
Die Fahrt führte uns dann zum Orta See, einem weniger bekannten und bei weitem nicht so touristischen See, der trotzdem einen Besuch wert ist. Das Highlight ist hierbei Orta San Giulio, ein malerisches, autofreies Dorf, das als eines der romantischsten Ziele Norditaliens gilt. Die historische Ortschaft liegt auf einer Halbinsel am Ostufer des Ortasees und man blickt direkt auf die mystische Insel Isola San Giulio. Mit ihren engen Kopfsteinpflastergassen, barocken Palazzi und dem UNESCO-Weltkulturerbe Sacro Monte zieht die Gemeinde Kulturliebhaber und Ruhesuchende gleichermaßen an. Wir haben zunächst den grünen Sacro Monte besucht. Dieser bewaldete Hügel oberhalb des Dorfes gehört zum UNESCO‑Weltkulturerbe. Ein Rundweg führt an 20 historischen Kapellen vorbei, die mit lebensgroßen Terrakottastatuen und Fresken das Leben des Heiligen Franz von Assisi erzählen. Zudem bot sich von fortan ein unglaublicher Blick auf die Isola San Giulio – was reichlich zum Fotografieren genutzt wurde.
Im Anschluss hatten wir uns einen Café oder ein Kaltgetränk auf der Piazza Mario Motta verdient. Der lebendige Hauptplatz öffnet sich direkt zum Seeufer hin. Er ist gesäumt von Cafés und historischen Gebäuden wie dem frescoverzierten Palazzotto della Comunità aus dem Jahr 1582. Auf dem Rückweg besuchten wir noch die Kirche Santa Maria Assunta. Dies ist ein barockes Gotteshaus aus dem 15. Jahrhundert, das über eine markante Granittreppe vom Hauptplatz aus erreichbar ist und einen weiten Panoramablick über die Dächer und den See bietet.
Zur Abrundung des gelungenen Ausflugs besuchten wir auf dem Rückweg den Colosso di San Carlo Borromeo, der von den Einheimischen nur liebevoll Sancarlone genannt wird. Er ist eine monumentale, 35 Meter hohe Statue in Arons und ist ein barockes Meisterwerk. Er wurde 1698 fertiggestellt und ehrt den dort geborenen Erzbischof Karl Borromäus. Für fast zwei Jahrhunderte war der Koloss die höchste von innen begehbare Statue der Welt und diente als direktes Vorbild für die New Yorker Freiheitsstatue. Vor der beeindruckenden Statue mit ihren gesamt 35m Höhe haben wir, als Erinnerung an den schönen Tag, noch ein Gruppenfoto gemacht, bevor es am Ufer des Lago Maggiore und über Stresa wieder zurück zu unserem Campingplatz ging.
Am Abend wartete schon unser typisch italienisches Essen, mit Wurst/Käse als Vorspeise und einer leckeren Lasagne sowie Dolce zum Abschluss, auf uns. So endete ein Tag voller schöner Erlebnisse und Erinnerungen gebührend.


























































