Frankreich – Tag 10: Schlossrundfahrt Amboise und Chenonceau

Auch das Schloss Amboise gehört zu den bedeutendsten Königsschlössern an der Loire. Es liegt spektakulär auf einem Felsen hoch über der Loire und war im 15. und 16. Jahrhundert eine bevorzugte Residenz der französischen Könige. Besonders verbunden ist das Schloss mit Karl VIII., der das mittelalterliche Schloss zu einer frühen Renaissance-Residenz ausbauen ließ, Franz I., der hier oft Hof hielt, und vor allem Leonardo da Vincis, der im nahen Clos Lucé lebte. Ein Höhepunkt ist die kleine Schlosskapelle Chapelle Saint-Hubert. Hier befindet sich das Grab Leonardo da Vincis. Historisch bekannt wurde Amboise auch durch die „Verschwörung von Amboise“ 1560 während der Religionskriege. Die prächtigen, italienisch beeinflussten Renaissance-Gärten und die riesigen schrägen Reitertürme, über die früher sogar Kutschen und Pferde auf die Terrasse gelangen konnten, machen das Schloss besonders. Vom Schloss hat man einen der schönsten Ausblicke auf die Loire und die Altstadt von Amboise.


In der Mittagspause gab es Gelegenheit, Leonardos bekanntesten Wohnort an der Loire zu besichtigen. Es war das kleine Schloss Clos Lucé in Amboise. Franz I. holte Leonardo 1516 nach Frankreich. Er lebte dort die letzten drei Jahre seines Lebens bis zu seinem Tod 1519. Der König stellte ihm Clos Lucé als Wohnsitz zur Verfügung – nur wenige hundert Meter vom königlichen Schloss entfernt. Wir sehen Nachbauten seiner Maschinen und technischen Ideen, besuchen Schlafzimmer, Arbeitsräume, den großen Park und eine Ausstellung zu Kunst, Architektur und Technik der Renaissance. Nach der Mittagspause ging es weiter. Schloss Chenonceau zählt zu den elegantesten und romantischsten Loire-Schlössern. Berühmt ist es vor allem wegen seiner einzigartigen Lage direkt über dem Fluss Cher – deshalb wird es oft das „Schloss der Damen“ genannt. Das Schloss wurde stark von bedeutenden Frauen geprägt. Diane de Poitiers, die Geliebte Heinrichs II., erhielt das Schloss geschenkt und ließ die berühmte Brücke über den Cher bauen. Nach dem Tod des Königs zwang Katharina von Medici Diane zur Herausgabe des Schlosses. Sie erweiterte die Brücke zur prächtigen zweistöckigen Galerie über dem Wasser. Das Schloss hat eine lange Galerie über den Fluss, und die Räume sind reich ausgestattet. Diane und Katharina hinterließen prächtige Renaissance-Gärten. Die prachtvolle Küche direkt am Wasser ist einzigartig. Sie ließ zu, erklärte uns Julie, dass die Produkte wie Wild, Fleisch und Gemüse direkt vom Wasser aus angeliefert werden konnten. Das gesamte Schloss zeichnet sich durch eine einzigartige Blumendekoration mit frischen Blumen aus, für die Chenonceau berühmt ist. Geschichtlich interessant ist auch, dass während des Ersten Weltkriegs die Galerie als Lazarett diente und im Zweiten Weltkrieg die Grenze zwischen besetztem und unbesetztem Frankreich genau durch das Schloss lief. Der Eingang lag im besetzten Gebiet, das andere Ufer bereits im freien Teil Frankreichs. Chenonceaux wirkt deutlich wohnlicher und feiner als das monumentale Schloss Chambord – viele Besucher empfinden es als das schönste Loire-Schloss. Damit endete unsere Reihe der Schlossbesichtigungen.


Am Campingplatz angekommen, verabschiedeten wir unsere Julie. Sie hat uns zwei Tage lang mit vielen interessanten Informationen über die französische Geschichte und die Königshäuser erfreut. Mit ihrem charmanten französischen Akzent war sie eine liebgewonnene Schlossführerin. Bei der täglichen Besprechung gab es noch zwei Geburtstage zu feiern. Morgen ist Ruhetag und Campertafel.