Die Masuren sind eine historische Region im Nordosten Polens und gelten als eine der schönsten Landschaften Mitteleuropas in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Unsere heutige Reisebegleitung mit dem Namen „Mariellchen“ (eigentlich Irina) traf uns am Campingplatz und wir starteten gleich mit dem Reisebus in Richtung Masurische Seenplatte. „Mariellchen“ ist ein wandelndes Masuren-Lexikon. Angefangen in der Zeit vor dem Mittelalter erläuterte sie uns die Geschichte der Masuren, nein der Masurchen. In früheren Zeiten hatte Ostpreußen (frühere Bezeichnung der Masuren) eine eigene Sprache. Ab dem 14. Jh. brachte der Deutsche Orden Siedler ins Land. Es kamen Deutsche, Polen und Litauer – so entstand eine gemischte Bevölkerung mit einer gemischten Sprache. Viele Worte wurden mit der Endung „chen“ verniedlicht. So gab es Bäumchen, Tellerchen, Gläschen, Omachen, Opachen usw. Eine Frau war immer ein Marielchen und ein braver Mann ein Lorbas, ein unbraver Mann war ein Lachoder. Bezüglich unbraver Frauen werden wir sie auf unserer morgigen Tour noch befragen. In den Masuren gibt es weit über 2000 Seen, die auch durch Flüsse und Kanäle verbunden sind. Unsere heutige Reiseführerin wies uns während der Busfahrt auf viele schöne Aussichtspunkte hin. Im Hafen angekommen, gingen wir bei strahlendem Sonnenschein, gleich auf unser Ausflugsschiff. Wir legten ab und nach kurzer Fahrt nahmen uns die Masurischen Seen gefangen. Traumhafte Aussichten, klares Wetter strahlender Sonnenschein begleiteten uns auf der Fahrt. Aufgrund der Temperaturen, es war recht frisch, machte die Schiffsbar einen ordentlichen Teeumsatz. Nur wenige verkrochen sich in die unteren Räume, um dem Wind zu entgehen.
Nach dem leckeren Mittagessen, mit Zander, Kartoffeln, Krautsalat und einem Apfelkuchen als Dessert legten wir an und es ging zum zweiten Ziel unseres Tages, der Wolfsschanze. Die Wolfsschanze ist einer der geschichtsträchtigsten Orte in den Masuren. Im masurischen Waldgebiet bei Kętrzyn (Rastenburg), treffen wir den Historiker und Buchautor Jaroslaw Zarzecki. Ausführlich erläutert er uns die Geschichte des Führerhauptquartiers von Adolf Hitler. Die riesige Bunkeranlage war strategisch gewählt: abgeschieden, gut zu tarnen, aber mit Bahnanschluss. Der Bau begann 1940, Fertigstellung 1941, kurz vor dem Angriff auf die Sowjetunion. Die Anlage umfasst über 80 Bunker- und Gebäudeanlagen, teils mit meterlangen Betonwänden und -decken. Mehrere Ringe von Stacheldraht, Minenfeldern und Wachtürmen umgaben das Gelände – praktisch eine kleine Stadt im Wald. Von Juni 1941 bis November 1944 war es Hitlers wichtigstes Hauptquartier an der Ostfront und hier fand am 20. Juli 1944 das berühmte Attentat auf Hitler (Claus Schenk Graf von Stauffenberg) statt, das jedoch scheiterte. Als im November 1944, die Rote Armee vorrückte, wurde die Wolfsschanze von der Wehrmacht gesprengt und aufgegeben. Die Ruinen der Bunker- und Befestigungsanlagen sind erhalten und die Wolfsschanze ist heute ein Mahnmal und Museum gegen Krieg und Diktatur. Ein Muss für alle Masurenurlauber. Es zeigt, welcher Größenwahn in den Ideen der damals Verantwortlichen steckte. Auf der Rückfahrt zeigte uns Mariellchen noch eine Ausstellung von historischen Fluggeräten. Ein spannender Tag in den Masuren geht zu Ende. Wir sind gespannt, ob wir auch heute wieder so einen traumhaften Sternenhimmel genießen können.


























