Nach dem doch für viele langen Fahrtag nach Posen ging es entspannt mit unserem Busfahrer Mariuz und unserer Stadtführerin Kasia nach Poznań, wie die Stadt auf Polnisch heißt. Posen gehört zu den ältesten und geschichtsträchtigsten Städten Polens. Gelegen an der Warthe, gilt sie als Wiege des polnischen Staates: Bereits im 10. Jahrhundert war sie ein politisches und religiöses Zentrum, und auf der Dominsel, die wir als erstes besuchten, befinden sich die ältesten Reste eines polnischen Herrschersitzes sowie die erste Kathedrale Polens, wo auch die ersten Piastenfürsten beigesetzt wurden, wie uns Kasia in ihrer sehr angenehmen Art erklärte. Die Stadt spielte eine zentrale Rolle bei der Christianisierung Polens im Jahr 966.
Im Mittelalter entwickelte sich Posen zu einer bedeutenden Handelsstadt, unter anderem durch ihre Lage an wichtigen Ost-West-Handelswegen. Während der Teilungen Polens (ab Ende des 18. Jahrhunderts) fiel Posen an Preußen und wurde Teil des Deutschen Reiches, wo es unter dem Namen „Posen“ eine wichtige Rolle als Provinzhauptstadt spielte. Polen selbst verschwand für mehr als 100 Jahre von der Landkarte. Diese Zeit war geprägt von starkem polnischem Widerstand – besonders sichtbar im Posener Aufstand von 1918/19, bei dem sich die Region erfolgreich erhob und wieder Teil des neu gegründeten polnischen Staates wurde. Heute ist Posen eine moderne, dynamische Metropole mit über einer halben Million Einwohnern. Die Stadt ist wirtschaftlich stark, unter anderem durch die Automobilindustrie (z. B. Volkswagen), die internationale Messe und ihre Rolle als akademisches Zentrum mit mehreren Hochschulen, darunter die angesehene Adam-Mickiewicz-Universität. Kulturell beeindruckt Posen mit ihrer Mischung aus Historie und Innovation: Die restaurierte Altstadt mit dem Renaissance-Rathaus auf dem Alten Markt, die gotische Kathedrale und das Kaiserliche Schloss aus der wilhelminischen Zeit stehen im Kontrast zu modernen Museen, Galerien und Festivals wie „Malta“, einem internationalen Festival, berichtet unsere Stadtführerin. Um 12:00 Uhr wurden wir Zeugen einer besonderen Darbietung. Eine junge Dame tanzte zu klassischer Musik ein Ballett und gleich darauf sahen wir die kämpfenden Böckchen am Rathausturm, während ein Trompetenspieler sein Bestes gab, den Platz zu beschallen. Insgesamt verbindet Posen auf besondere Weise polnische Identität, westliche Einflüsse, historische Tiefe und wirtschaftliche Dynamik – und bleibt damit eine der bedeutendsten Städte Polens. Auf dem Rückweg gab es noch eine kleine Rundfahrt. Bahnhof, Theater, Universitätsgebäude und zuletzt das große VW-Werk zeigte und unser freundlicher Busfahrer nicht ohne Stolz.
Mit dem gewohnten Briefing beendeten wir den Abend. Einige nutzten das traumhafte Wetter für eine Fahrradtour, einige spazierten zum Maltasee und einige kehrten ins hochgelobte indische Restaurant unweit unseres Campingplatzes ein. Morgen stehen Schloss Kórnik und die Fahrt nach Toruń auf dem Programm.



























