Masuren I – Tag 7: Besuch der Masuren mit Schiffsfahrt und Wolfsschanze

Die Masuren sind eine historische Region im Nordosten Polens und gelten als eine der schönsten Landschaften Mitteleuropas. Sie liegen in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Unsere heutige Reisebegleitung namens „Mariellchen“ (eigentlich Irina) traf uns am Campingplatz, und wir starteten gleich mit dem Reisebus in Richtung Masurische Seenplatte. „Mariellchen“ ist ein wandelndes Masuren-Lexikon. Angefangen bei der Zeit vor dem Mittelalter erläuterte sie uns die Geschichte der Masuren – nein, der „Masurchen“. In früheren Zeiten hatte Ostpreußen, die frühere Bezeichnung dieser Region, eine eigene Sprache. Ab dem 14. Jahrhundert brachte der Deutsche Orden Siedler ins Land. Es kamen Deutsche, Polen und Litauer, wodurch eine gemischte Bevölkerung mit einer eigenen Sprachfärbung entstand. Viele Wörter wurden mit der Endung „-chen“ verniedlicht. So gab es Bäumchen, Tellerchen, Gläschen, Omachen, Opachen usw. Eine Frau war immer ein Marielchen, ein braver Mann ein Lorbas, ein unbraver Mann ein Lachoder. Ob unbrave Frauen auch einen besonderen Namen hatten, stellte sie eindeutig klar: Solche gab es nicht. In den Masuren gibt es weit über 2000 Seen, die durch Flüsse und Kanäle miteinander verbunden sind. Unsere Reiseführerin wies uns während der Busfahrt auf viele schöne Aussichtspunkte hin. Im Hafen angekommen, gingen wir bei strahlendem Sonnenschein direkt auf unser Ausflugsschiff. Wir legten ab, und schon nach kurzer Fahrt nahmen uns die masurischen Seen gefangen. Traumhafte Aussichten, klares Wetter und strahlender Sonnenschein begleiteten uns auf der Fahrt. Aufgrund der hohen Temperaturen wechselte man sich zwischen den Plätzen auf dem Sonnendeck und den schattigen Bereichen ab oder machte einen Besuch in der Schiffsbar unter Deck.



Nach dem leckeren Mittagessen – wahlweise mit Zander, Krakauer Wurst oder vegetarisch mit geröstetem Blumenkohl, dazu Kartoffeln, Krautsalat und Käsekuchen als Dessert – legten wir wieder an. Anschließend ging es zum zweiten Ziel unseres Tages: der Wolfsschanze.


Die Wolfsschanze ist einer der geschichtsträchtigsten Orte der Masuren. Im masurischen Waldgebiet bei Kętrzyn (Rastenburg) trafen wir den Historiker und Buchautor Jarosław Zarzecki. Ausführlich erläuterte er uns die Geschichte des Führerhauptquartiers Adolf Hitlers. Die riesige Bunkeranlage war strategisch günstig gewählt: abgeschieden, gut zu tarnen und dennoch mit Bahnanschluss versehen. Der Bau begann 1940, die Fertigstellung erfolgte 1941, kurz vor dem Angriff auf die Sowjetunion. Die Anlage umfasste mehr als 80 Bunker- und Gebäudeanlagen, teilweise mit meterdicken Betonwänden und -decken. Mehrere Ringe aus Stacheldraht, Minenfeldern und Wachtürmen umgaben das Gelände – praktisch eine kleine Stadt im Wald. Von Juni 1941 bis November 1944 war die Wolfsschanze Hitlers wichtigstes Hauptquartier an der Ostfront. Hier fand am 20. Juli 1944 auch das berühmte Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Hitler statt, das jedoch scheiterte. Als die Rote Armee im November 1944 immer näher rückte, wurde die Wolfsschanze von der Wehrmacht gesprengt und aufgegeben. Die Ruinen der Bunker- und Befestigungsanlagen sind bis heute erhalten. Die Wolfsschanze dient heute als Mahnmal und Museum gegen Krieg und Diktatur. Ein Muss für alle Masurenurlauber. Sie zeigt eindrucksvoll, welcher Größenwahn hinter den Ideen der damals Verantwortlichen stand. Auf der Rückfahrt zeigte uns Mariellchen noch eine Ausstellung historischer Fluggeräte. Ein spannender Ausflug in den Masuren ging damit zu Ende.


Am Abend wurde ein Essen mit musikalischer Begleitung durch ein masurisches Quartett organisiert – eine sehr passende Unterhaltung. Nachdem wir das Gegrillte mit Brot und Salat, eine köstliche Champignonsuppe als Vorspeise und ein Stück Apfelkuchen genossen hatten, legte das Trio richtig los. Es wurde geschunkelt, gesungen und viel gelacht. Gegen 22:00 Uhr löste sich die Gemeinschaft langsam auf. Denn nach dem spannenden Ausflugstag ist bekanntlich vor dem nächsten Ausflugstag. Ohne das Fußballspiel zwischen Deutschland und der Elfenbeinküste. Bei der Weltmeisterschaft, wäre es sicher noch später geworden.