Ostseeumrundung II – Tag 29: Busausflug Insel Saaremaa

Heute widmen wir uns den kulturellen und landschaftlichen Höhepunkten von Saaremaa, der größten estnischen Insel und zugleich der viertgrößten Insel der Ostsee. Bereits in der Vorzeit war Saaremaa von Menschen besiedelt – erste Spuren reichen bis in die Bronzezeit zurück. Im Mittelalter spielte die Insel eine bedeutende Rolle im baltischen Raum, insbesondere durch ihre Lage als strategisch wichtiger Außenposten verschiedener Herrscher und Orden. Früh am Morgen werden wir vom Bus direkt am Campingplatz abgeholt und fahren in Richtung Fähre. Nach der Überfahrt betreten wir die Insel Muhu, die als „kleine Schwester“ Saaremaas gilt, jedoch mit eigener Geschichte und Charakter. Hier treffen wir unsere örtliche Reiseleitung, die uns durch den Tag begleitet.


Den Anfang macht ein Besuch im Freilichtmuseum Muhu, das uns einen authentischen Einblick in das ländliche Leben vergangener Jahrhunderte bietet. Wir sehen typische Bauernhöfe mit reetgedeckten Dächern, Werkzeuge des täglichen Gebrauchs und erfahren, wie eng die Menschen mit der Natur verbunden waren. Muhu galt jahrhundertelang als eigenständige Kulturlandschaft mit starkem Einfluss durch die estnisch-schwedische Bevölkerung.


Weiter geht es zur Kirche von Karja, einer der ältesten erhaltenen Landkirchen Estlands. Erbaut im 14. Jahrhundert, beeindruckt sie durch ihre gotische Bauweise, die romanischen Portale und besonders durch die gut erhaltenen mittelalterlichen Wandmalereien. Die Kirche diente nicht nur dem Glauben, sondern war auch Zufluchtsort in Zeiten der Unruhe – eine echte Wehrkirche.


Ein Fotostopp bei den Windmühlen von Angla darf nicht fehlen. Diese Mühlen sind typische Wahrzeichen von Saaremaa und erzählen von einer Zeit, in der Windkraft die Lebensgrundlage der Bauern darstellte. Ursprünglich gab es über 800 Windmühlen auf der Insel – ein Symbol für die einstige Autarkie der Bevölkerung.


Nach einem stärkenden Mittagessen mit regionaler Küche geht es weiter zum Kaali-Krater, einer der wenigen gut erhaltenen Meteoritenkrater Europas. Der Krater entstand vermutlich im 4. oder 5. Jahrhundert v. Chr. durch einen Meteoriteneinschlag, der die lokale Mythologie stark geprägt hat. Lange Zeit glaubten die Menschen, es handle sich um einen Ort göttlicher Macht. Der Krater war vermutlich auch ein frühkultischer Opferplatz.


Am Nachmittag erreichen wir Kuressaare, den Hauptort der Insel, der bereits im 16. Jahrhundert Stadtrechte erhielt. Wir besuchen die einzig vollständig erhaltene mittelalterliche Bischofsburg im Baltikum, deren Ursprünge auf das 14. Jahrhundert zurückgehen. Ursprünglich vom Schwertbrüderorden errichtet, diente sie später als Residenz katholischer und lutherischer Bischöfe. Die Burganlage mit ihrer imposanten Ringmauer, dem Wehrturm und dem Schlossgraben ist ein beeindruckendes Zeugnis baltischer Geschichte. Sie überstand Kriege, Belagerungen und Herrschaftswechsel – Schweden, Dänen und Russen hinterließen hier ihre Spuren.


Am frühen Abend kehren wir mit vielen Eindrücken auf den Campingplatz zurück. Wir besprechen noch die kommende Etappe Richtung Lettland (Riga). Der lange und geschichtsträchtige Tag endet ruhig – die meisten von uns ziehen sich bald zurück und lassen die Eindrücke im Wohnmobil nachwirken.